{"id":89,"date":"2009-01-27T19:09:46","date_gmt":"2009-01-27T18:09:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.2gas-station.net\/2gas-stationblog\/?page_id=89"},"modified":"2023-05-13T08:09:14","modified_gmt":"2023-05-13T06:09:14","slug":"ein-spiel-uber-grenzen-und-genres","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.2gas-station.net\/2gas-stationblog\/?page_id=89","title":{"rendered":"Ein Spiel \u00fcber Grenzen und Genres"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;eMOTION&#8220; &#8211; Die erste Ausstellung im Kunst-Projekt-Raum G.A.S-station in Berlin zeigt Arbeiten zum Thema Bewegung und Gef\u00fchl<\/p>\n<p>Es ist nicht zu \u00fcbersehen in seiner quadratisch anmutenden Gr\u00f6\u00dfe: Etwa zwei Meter hoch, 1,5 Meter breit, schwarz. Darauf zeichnen sich die Konturen eines Sofas ab. Eine foto-grafische Arbeit im engsten Sinne: Die Kontur gezeichnet mittels eines Lichtstrahls, eine warme, gelb-orange changierende Linie auf Schwarz. Mal geht die Linie forsch und direkt ihren Weg, dann wieder schleicht sie leicht unentschlossen dahin. W\u00e4hrend der Lichtstrahl die Kontur erschafft, bleibt der Umraum dunkel, schwarz. Der K\u00fcnstler Ronald Hackl zeichnet mit Licht, die Bewegung hinterl\u00e4sst ihre Spuren. Wir ahnen sie, ohne die Bewegung zu kennen.<\/p>\n<p>Ein wei\u00dfer Vorhang, zwei Lichtquellen sonst nichts. Dahinter verbirgt sich eine interaktive Installation von Matthias Richter &#8222;nur liebe z\u00e4hlt&#8220;. Um Zweisamkeit geht es. Darauf muss man sich einlassen, denn die Kunst entsteht durch die Agierenden vor und hinter dem wei\u00dfen Vorhang, diesseits und jenseits, im Licht oder im Schatten, je nach Betrachtung. Spielend oder erstarrt, distanziert oder ganz zugewandt, mit Furor oder In-sich-gekehrt das Spiel mit dem Licht erzeugt den Schatten. Der Schatten ist ein Abbild der Begegnung. Die Bewegung hier ist Teil der Emotion!<\/p>\n<p>Dies sind nur zwei der 54 Arbeiten, die in der G.A.S-station, dem neu geschaffenen Berliner Kunst-Projekt-Raum der beiden Wiener K\u00fcnstler Elisa Asenbaum und Thomas Stuck (Grafik Art &amp; Sound) zu sehen sind. &#8222;eMOTION&#8220; hei\u00dft ihr erstes Ausstellungsprojekt in Berlin-Kreuzberg. Es ist nicht einer Pers\u00f6nlichkeit oder einer Kunstrichtung gewidmet, vielmehr steht die Auseinandersetzung mit einem Thema im Vordergrund. &#8222;eMOTION&#8220; meint Bewegung im Gef\u00fchl. Und daf\u00fcr haben die Beiden den Schritt gewagt, verschiedene Sparten zusammen zu bringen: Kunst, Wissenschaft, Literatur. Es ist das Spiel dieser Genres, ihr unterschiedlicher Zugang zu Bewegung und Gef\u00fchl, der interessante Sichtweisen offenbart. Mehr als 90 Bewerbungen aus neun europ\u00e4ischen L\u00e4ndern gab es.<\/p>\n<p>Einen Schwerpunkt bilden Videofilme, mal kurz und knapp, mal poetisch, lyrisch oder ironisch, mal enervierend. Die Mittel spiegeln die Bandbreite moderner Medien wider, bilden die Manipulationsm\u00f6glichkeit von Zeitabl\u00e4ufen ab. Da ist die promovierte Medizinerin und K\u00fcnstlerin Barbara Musil, die in ihrem Film &#8222;market sentiments&#8220; den Investitionsboom im estnischen Immobilienmarkt durch Katasterpl\u00e4ne optisch und akustisch seziert. Im Rhythmus der Musik formt die K\u00fcnstlerin neuen imagin\u00e4re Marktpl\u00e4tze &#8211; ein Spiel, formal und dennoch lebendig mit animierten Linien und freien Fl\u00e4chen auf Landkarten.<\/p>\n<p>Oder die Trickfilm-Darstellung des Huchel-Gedichtes &#8222;Exil&#8220; durch Magdalena Pfeiffer. Die akustische Ebene des Gedichtes folgt der Natur, Himmel und Wolken, Wasser und Stein. Die fotografische Ebene, aufgenommen in der Berliner U-Bahn, bildet die Filmkulisse, in der sich gezeichnete Figuren und Formen aus der Kulisse l\u00f6sen, bewegen und wieder verschwinden. Ein poetisches Wechselspiel zwischen Sichtbarem und Verborgenem, Kommen und Gehen.<\/p>\n<p>Und wer sich fragt, wie Darstellungen aus dem naturwissenschaftlichen Bereich hier hinein passen, wird \u00fcberrascht. Diese Arbeiten sind mindestens genauso spannend und anregend. Physiker wie Reinhold A. Bertlmann oder Franz Embacher, beide Koryph\u00e4en in ihrem Spezialgebiet, machen ganz unmissverst\u00e4ndlich klar, dass Formel-Sprache weit mehr ist als n\u00fcchterne Wissenschaft oder pure Ratio. Egal, ob es um Beschleunigung, Tr\u00e4gheit oder Masse geht, um den freien Fall, Quantenmechanik oder die richtige Art, Teebeutel zu analysieren. Wer eine Konstante eines Systems ver\u00e4ndert, erzeugt neue Formen, neue Bewegungen, neue Richtungen.<\/p>\n<p>So unterschiedlich Assoziationen von Bewegung in der Raum-Zeit-Achse sein k\u00f6nnen, so streng durchdacht ist das Konzept der Ausstellung. Unmittelbar neben der Lese- und H\u00f6recke sind Arbeiten platziert, die sich mit der Dynamik des Lesens befassen. Neben den interaktiven Computeranimationen, die die Gesetze der Physik anschaulich erfahrbar machen, h\u00e4ngen Landschaftsaufnahmen, die dem Betrachter suggerieren, er befinde sich in Bewegung. Die gro\u00dfe Lichtzeichnung mit dem Sofa wird durch ein Buch \u00fcber Quantenmechanik erg\u00e4nzt. Auf der gegen\u00fcberliegenden Seite h\u00e4ngen Kunstwerke, die sich eher emotionalen Aspekten im Kontext zu gesellschaftspolitischen Aussagen widmen.<\/p>\n<p>Und auch der Begriff Filmteppich wird beim Wort genommen. Super-8-Filmstreifen aus den 70er und 80er Jahren, die analog dem Weben zu einem Teppich zusammengef\u00fcgt wurden, bilden den \u00dcbergang zum Videoraum. Hier ist nichts zuf\u00e4llig, selbst wenn es so scheint!<\/p>\n<p>Die Besucher werden bei diesem Parcours aus Malerei, Grafik, Fotografie, Film, H\u00f6rst\u00fccken, Wissenschaft, Literatur und Analyse aus der Konsumentenhaltung herausgerissen. &#8222;Das Werk setzt sich erst beim Betrachter zusammen und dazu braucht er die F\u00e4higkeit zu assoziieren und auch die Motivation, Kunst und Wissenschaft verstehen zu k\u00f6nnen.&#8220; Elisa Asenbaum und Thomas Stuck sind \u00fcberzeugt, dass ihr Ausstellungskonzept einen Aha-Effekt bewirkt, dass Besucher einen aktiven, kreativen Prozess vollziehen, in einen Dialog mit den Kunstwerken treten, jetzt oder sp\u00e4ter.<\/p>\n<p>Elisa Asenbaum und Thomas Stuck haben in der G.A.S-station mit ihrer ersten Ausstellung &#8222;MOTION&#8220; ein ambitioniertes Kunst-Projekt auf die Beine gestellt. Auch der Katalog, 106 Seiten in Farbe und als Hardcover mit interessanten thematischen Bez\u00fcgen, unterstreicht ihren Anspruch, nicht in Sparten oder Schubladen zu denken.<\/p>\n<p style=\"text-align: right\">Ina Krau\u00df (Freie Journalistin, Berlin)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;eMOTION&#8220; &#8211; Die erste Ausstellung im Kunst-Projekt-Raum G.A.S-station in Berlin zeigt Arbeiten zum Thema Bewegung und Gef\u00fchl Es ist nicht zu \u00fcbersehen in seiner quadratisch anmutenden Gr\u00f6\u00dfe: Etwa zwei Meter hoch, 1,5 Meter breit, schwarz. Darauf zeichnen sich die Konturen eines Sofas ab. 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